Das Besondere Objekt

Aktuell

Die Reihe wird im Wintersemester 2011/12 fortgesetzt.

 

Rückschau

Sommersemester 2009

Wein oder Essig? Die Rolle der Mikroben

Rahel Hirsch und die Durchlässigkeit des Darms

Varianten der Natur - wie sich Besonderheiten des knöchernen Schädels auf das Gesicht auswirken

 

Wintersemester 2008/2009

Kindlein hüpf – Soziale Pädiatrie in der Weimarer Republik

Vom Harndrang zum Herzrasen – Eugen Rehfisch und seine Beiträge zur funktionellen Diagnostik

Eine Gesichtsmaske und ihre Geschichte(n)

 

Sommersemester 2008

Zur Entwicklung der Neurochirurgie an der traditionsreichen alten Charité

Die Tradition der Naturheilverfahren an der Berliner Charité -

Ein Schnitt im Gesicht: Es blutet heftig und heilt doch gut

 

Wintersemester 2007/2008

Dem Leben auf der Spur.

Kranksein Das Erlebnis Krankheit

Der vergötterte Arzt. Die Votivfiguren des tangzeitlichen Klinikers, Ethikers und Autors Sun Simiao

 

Sommersemester 2007

Schmerz lass nach? Führung durch die Ausstellung SCHMERZ PAIN

Elektrische Impulse mit lebensrettender Wirkung - Die Entwicklung der Herzschrittmachertherapie

Sonnenbrand in Forschung und Alltag - Ein Gerät zur Messung der minimalen erythemwirksamen Dosis

 

Wintersemester 2006/2007

Zerbrechlich, gefährlich und doch hilfreich. Eine Röntgenröhre aus den Anfängen der zahnärztlichen Strahlendiagnostik

Ein spätkaiserzeitlicher Schädel aus Magdeburg
Fallbeschreibung und Differentialdiagnose eines auffälligen pathologischen Befunds

Noch ein G-Punkt? Freud, Fließ und die Frauen(heil)kunde

 

Sommersemester 2006

Hans Virchow und die Frauen in der Anatomie
und
Füße von Chinesinnen

Demontierte Erinnerung. Zum Verschwinden der Denkmale jüdischer Wissenschaftler aus den Gartenanlagen der Charité in der NS-Zeit

 

Wintersemester 2005/2006

Trichinellas Wanderwege. Entdeckungsgeschichte eines Parasiten auf Objektträgern

Kleiner Stich - große Wirkung. Zur Geschichte der Injektionsspritze

Hermann Gutzmann und 'Mr. Phonograph'. Über die Verwendung eines frühen Diktiergerätes in der Sprachheilkunde

 

Sommersemester 2005

Ein Winddorn im Anatomischen Museum.
Die Präparate-Sammlung von Johann Gottlieb und Friedrich August Walter

Du Bois-Reymond & Halske: Der Multiplikator zwischen Wissenschaft und Handwerksdesign
und
Die Historische Instrumenten-Sammlung des Johannes-Müller-Instituts für Physiologie der Charité

Die Bedeutung des Berliner Hofapotheken-Reglements von 1763 für die Charité

 

Wintersemester 2004/2005

Anatomie in Wachs. Zeugnisse der Erfolgsgeschichte der Brüder Adolf und Otto Seifert als Präparatoren im Institut für Anatomie

"Bürgerinitiative für Rudolf Virchow! - oder: Ein parlamentarisches Duell"

Der Nachlass Robert Kochs im Robert-Koch-Institut, Berlin

"Mögest Du auch ein Mittel enthüllen gegen Schwindelsuchtbacillen!"
Robert Koch und sein Tuberkulin - ein Wissenschaftsskandal in Berlin um 1890

 

Sommersemester 2004

"Keine Bange, wir holen die Zange!" Medizinhistorische Anmerkungen zur Entwicklung der Geburtszange(n) an Hand eines Forceps aus der geburtshilflichen Sammlung der Charité

"Der Kopf auf der Fahndungsliste"
Eine Mitteilung aus der Bildnissammlung der Charité

Schneiden, Brennen, "um die Ecke schießen"
Ein Berliner Operations-Zystoskop aus dem Besitz Maximilian Nitzes

 

Wintersemester 2003/2004

Auge auf - Auge zu.
Ein Objekt aus der Albrecht von Graefe-Sammlung im Berliner Medizinhistorischen Museum

7000 Zähne und noch mehr...
Eine "Patientendokumentation" aus der Frühzeit der Berliner Zahnklinik

Schöner Kopf?
Ein künstlich deformierter Schädel aus Peru

 

Sommersemester 2003

Der Weg des Bluts durch das Gewebe.
Gefäßpräparate von J.N. Lieberkühn, 
Leibarzt Friedrichs des Großen.

Ein Gastgeschenk aus Japan.
Ausdruck fernöstlicher
Verehrung für Robert Koch

Ein Handschuh demonstriert
die Gefährlichkeit von
Schreckschusswaffen

 

Wintersemester 2002/2003

Ein Menschenschädel erhellt
ein längst vergangenes
Stammesleben

Eine Goldband-Zahnprothese aus römischer Zeit aus den zahnmedizin-historischen Sammlungsbeständen
der Charité

Krankheit in Wachs
Eine Augenmoulage des Berliner
Medizinhistorischen Museums

 

Eine öffentliche Vortragsreihe im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité
Eintritt frei, Beginn dienstags, 17.00 Uhr c.t.

Seit dem Wintersemester 2002/2003 finden in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums in loser Folge Abendvorträge statt, die immer nur ein medizin(histor)isches Sachzeugnis aus den Sammlungen der Charité in den Mittelpunkt stellen. Die Vortragenden schließen die Funktion jenes "Besonderen Objektes" auf, erläutern den Einsatzbereich und lassen den Gegenstand seine ganz eigene, überaus spannende Geschichte erzählen. Welche Wirkungen und Anregungen sind von diesem Sachzeugen ausgegangen, hat es Entwicklungen in der Medizin beeinflusst?

Nach dem Vortrag wird der Gegenstand für vier Wochen in einer eigenen Vitrine im Museum ausgestellt. Eine kleinere Anzahl von Abbildungen und ein kurzer Text geben dem Museumsbesucher immer auch einen Hinweis auf den Standort des "Stücks" in der zugehörigen Sammlung der Charité.

Jenseits der Veranstaltungsreihe "Das besondere Objekt" empfehlen wir Ihnen die Vorträge des "Medizinhistorischen Nachmittags" des Instituts für Geschichte der Medizin (in der Ziegelstraße 5-9, dienstags 17.00 ct Uhr). Die Vortragenden und ihre Themen werden gesondert u.a. auf der Homepage des Instituts bekannt gegeben.

 

Aktuell

Die beiden Vortragsreihen "Das Besondere Objekt" im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité und der "Medizinhistorische Nachmittag" im Institut für Geschichte der Medizin der Charité, Campus Mitte finden im Wintersemester 2010/2011 und Sommersemester 2011 nicht statt. Sie werden aber ab Wintersemester 2011/12 fortgesetzt.

 

Rückschau

Wein oder Essig? Die Rolle der Mikroben
Prof. Dr. Wolfgang Presber
Institut für Mikrobiologie und Hygiene, Charité - Universitätsmedizin Berlin
Donnerstag, 25. Juni 2009, 17 Uhr

Die Urzeugung und Louis Pasteur

Lange Zeit gingen die Menschen davon aus, dass niedere Tiere und Mikroorganismen durch Urzeugung entstehen. Eine geheimnisvolle Kraft, die Lebenskraft vis vitalis, oder ein Zusammentreffen "bestimmter Umstände" wirken auf die anorganische Materie ein und es entstehen Lebewesen.

Erst der französische Wissenschaftler Louis Pasteur (1822-1895) widerlegte endgültig die Urzeugungstheorie in den 1860er Jahren: Er wies nach, dass auch mikroskopisch kleine Krankheitserreger niemals im befallenen Organismus gezeugt werden, sondern aus der Umwelt in diesen eindringen.

Fleischbrühe ist ein ideales Nährmedium für Bakterien. Schon vor Pasteur war bekannt, dass sich in durch Hitze sterilisierter Fleischbrühe in einem verschlossenen Gefäß keine Lebensformen entwickeln können. Dennoch behaupteten die Anhänger der vis vitalis Theorie, dass die Hitze die "Lebenskraft" in der von der Kammer eingeschlossenen Luft zerstört hätte. Pasteur ersann ein Experiment, bei dem die normale, nicht erwärmte Luft Zutritt zur Fleischbrühe bekam. Er kochte und sterilisierte sie und setzte sie dann der gewöhnlichen Atmosphäre aus. Der Lufteintritt geschah jedoch durch einen langen, engen, s-förmigen Flaschenhals, der außen angebracht war. Obgleich nun unerwärmte Luft freien Zutritt zur Flasche hatte, setzten sich Staubteilchen am Boden des Flaschenhalses ab und gelangten nicht in die Flasche.

Unter solchen Bedingungen entwickeln sich in der Fleischbrühe keine Organismen. Wird der Flaschenhals jedoch entfernt, setzt kurze Zeit später die Verunreinigung ein. Es waren also die aus u. a. schwebenden Mikroorganismen bestehenden Staubteilchen und nicht die vis vitalis, die das Nährmedium verunreinigten. Nur wenn sie in die Fleischbrühe gelangen konnten, wuchsen sie und vermehrten sich.

Text: Wolfgang Presber


 

Rahel Hirsch und die Durchlässigkeit des Darms
Prof. Dr. Herbert Lochs
Medizinische Klinik und Poliklinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin
Dienstag, 26. Mai 2009, 17 Uhr

 

Varianten der Natur - wie sich Besonderheiten des knöchernen Schädels auf das Gesicht auswirken
Dr. Dr. Nicolai Adolphs, Klinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Charité - Universitätsmedizin Berlin
Dienstag, 28. April 2009, 17 Uhr

 

Kindlein hüpf – Soziale Pädiatrie in der Weimarer Republik
Hedwig Wegmann, M. A., Humboldt-Universität zu Berlin – Archiv für Kinder- und Jugendmedizin
Dienstag, 27. Januar 2009, 17 Uhr

 

Vom Harndrang zum Herzrasen – Eugen Rehfisch (1862-1937) und seine Beiträge zur funktionellen Diagnostik
Roland Helms, M. A., Berliner Medizinhistorisches Museum
Donnerstag, 11. Dezember 2008, 17 Uhr

Großes Elektromagnet-Saitengalvanometer
der Firma Th. Edelmann, München.
aus: Friedrich Kraus, Georg Nicolai:
Das Elektrokardiogramm des gesunden und kranken Menschen. Leipzig 1910. Bis Ende der 1940er Jahre werden Elektrokardiogramme ausschließlich fotografisch aufgezeichnet. Über zwei Elektroden wird Strom durch einen im magnetischen Feld gespannten Faden geleitet. Je nach Richtung des Stromes wird dieser nach rechts oder links abgelenkt. Sein Schatten projiziert sich auf eine lichtempfindliche Platte und zeigt das Elektrokardiogramm an.

Eugen Rehfisch (1862-1937) ist deutschlandweit einer der ersten Ärzte, der die Elektrokardiografie klinisch erprobt. Mit den Ergebnissen versucht er,

EKG-Labor der II. Medizinischen Klinik der Charité, 1910,
Institut für Geschichte der Medizin,
Charité - Universitätsmedizin Berlin.
Bei Erregung des Herzmuskels entstehen elektrische
Ströme. Da der menschliche Körper elektrisch leitfähig
ist, lässt sich diese Spannung mit einem Messgerät am
Körper abnehmen (Elektrokardiografie). In den Anfängen
der Elektrokardiografie wurden die Ableitungen zum
Saitengalvanometer noch über größere, mit Salzlösung
gefüllte Gefäße bewerkstelligt.

Herzkrankheiten diagnostisch klarer zu erfassen. Nachweislich seit Herbst 1907 arbeitet Rehfisch mit dem Elektrokardiografen. Im Tierexperiment werden von ihm und dem Physiologen und Arzt Georg Friedrich Nicolai (1874-1964) zunächst künstliche Reizungen des Herzens im Kardiogramm festgehalten und analysiert. Die Experimente finden im Physiologischen Institut der Universität statt. Seit dem Jahr 1909 betreibt Rehfisch eigene EKG-Apparaturen, die in seinem privaten Institut für Herzdiagnostik und in seiner Poliklinik zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse aus Untersuchungen Hunderter, bald Tausender Patienten wertet der Berliner ‚Spezialarzt für Herzkrankheiten' immer auch wissenschaftlich aus. Seine Erkenntnisse diskutiert er im Dialog mit den führenden Kardiologen und Physiologen seiner Zeit.
Erst mit der Fertigstellung der II. Medizinischen Klinik der Charité 1910 und der Inbetriebnahme eines separaten EKG-Labors besteht auch an der Charité die Möglichkeit, das neue Verfahren umfassend klinisch zu nutzen.

Text: Roland Helms




Fadenhalter für das Große Saitengalvanometer
um 1910, Johannes-Müller-Institut, Centrum für Physiologie,
Charité-Universitätsmedizin Berlin.
Der Fadenhalter sorgt für die Fixierung eines dünnen
Platinfadens im Saitengalvanometer.


 

Eine Gesichtsmaske und ihre Geschichte(n)
Dr. Ulrich Creutz, ehemaliger Kustos der Anthropologischen Rudolf-Virchow-Sammlung im Berliner Medizinhistorischen Museum
Dienstag, 21. Oktober 2008, 17 Uhr

 

Zur Entwicklung der Neurochirurgie an der traditionsreichen alten Charité
Prof. Dr. Rudolf Unger, ehemals Leiter der Neuchirurgischen Abteilung der
Chirurgischen Klinik der Charité, Humboldt-Universität zu Berlin
Dienstag, 24. Juni 2008, 17 Uhr

 

Die Tradition der Naturheilverfahren an der Berliner Charité -
Von Hydrotherapie und natürlicher Heil- und Lebensweise zur Physikalischen Medizin und Rehabilitation
Prof. Dr. E. Conradi
ehemals Direktor der Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Charité,
Humboldt-Universität zu Berlin
Dienstag, 20. Mai 2008, 17 Uhr

 

Ein Schnitt im Gesicht: Es blutet heftig und heilt doch gut. Friedrich Schlemm (1795-1859) und sein Promotionspräparat
Prof. Dr. G. Bogusch, ehemals Centrum für Anatomie der Charité
Dr. Andreas Winkelmann, Institut für Zell- und Neurobiologie, Centrum für Anatomie der Charité, Charité Campus Mitte
Dienstag, 29. April 2008, 17 Uhr

 

Dem Leben auf der Spur. Führung durch die neue Dauerausstellung des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité
Prof. Dr. Thomas Schnalke
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Charité Campus Mitte
Dienstag, 22. Januar 2008, 17 Uhr

 

Kranksein. Das Erlebnis Krankheit (Aussagen in Poesie und Prosa)
Prof. em. Dr. Horst Stobbe
Ehemals Abeilungsleiter in der 1. Medizinischen Klinik der Charité, Humboldt-Universität zu Berlin
Dienstag, 27. November 2007, 17 Uhr

 

Der vergötterte Arzt. Die Votivfiguren des tangzeitlichen Klinikers, Ethikers und Autors Sun Simiao (581-682?)
Prof. Dr. Paul U. Unschuld
Horst Görtz-Institut für Theorie, Geschichte und Ethik der chinesichen Lebenswissenschaften, Charité Campus Mitte
Dienstag, 30. Oktober 2007, 17 Uhr

 

Schmerz lass nach? Führung durch die Ausstellung SCHMERZ PAIN
(Gang durch die Abteilungen im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité)
Prof. Dr. Thomas Schnalke
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Charité Campus Mitte
Dienstag, 3. Juli 2007, 17 Uhr

 

Elektrische Impulse mit lebensrettender Wirkung - Die Entwicklung der Herzschrittmachertherapie
Prof. Dr. Joachim Witte
ehemals 1. Medizinische Klinik der Charité der Humboldt-Universität zu Berlin, Charité Campus Mitte
Dienstag, 5. Juni 2007, 17 Uhr

 

Sonnenbrand in Forschung und Alltag - Ein Gerät zur Messung der minimalen erythemwirksamen Dosis
Prof. Dr. Hans Meffert
ehemals Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité, Charité Campus Mitte, heute Ärztehaus in Zehlendorf
Dienstag, 15. Mai 2007, 17 Uhr

 

Zerbrechlich, gefährlich und doch hilfreich. Eine Röntgenröhre aus den Anfängen der zahnärztlichen Strahlendiagnostik
Dr. Ilona Marz
Institut für Geschichte der Medizin im Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften der Berliner Hochschulmedizin, Charité Campus Mitte
Dienstag, 20. Februar 2007, 17.00 Uhr

 

Ein spätkaiserzeitlicher Schädel aus Magdeburg
Fallbeschreibung und Differentialdiagnose eines auffälligen pathologischen Befunds

Dr. Herbert Ullrich
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Campus Charité Mitte
Dienstag, 16. Januar 2007, 17.00 Uhr

 

Noch ein G-Punkt? Freud, Fließ und die Frauen(heil)kunde
PD Dr. Matthias David
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe/Gynäkologie, Charité Campus Virchow
Dienstag, 14. November 2006, 17.00 ct Uhr

Eine der wichtigsten Stützen Sigmund Freuds in den ersten Jahren der Entwicklung der Psychoanalyse war wahrscheinlich der Berliner Arzt für Nasen- und Halsleiden Wilhelm Fließ, der von einigen Freudbiographen als "Geburtshelfer der Psychoanalyse" bezeichnet wird. Beide trafen sich in regelmäßigen Abständen und tauschten sich in einem teilweise erhaltenen Briefwechsel über Persönliches, aber vor allen Dingen auch über ihre wissenschaftlichen Projekte und Ideen, aus.

Foto von S.Freud und W.Fließ

Wilhelm Fließ lernte Freud 1887 während einer längeren Fortbildungsreise durch Europa, die ihn auch nach Wien führte, kennen. Was folgte war einer der wichtigsten Abschnitte in der Entwicklung der Psychoanalyse, der in die Literatur unter dem Namen "Fließ-Periode" eingegangen ist und die Jahre 1887 bis 1902 umfasst.
Nachdem Wilhelm Fließ seine beiden wissenschaftlichen Hauptideen, nämlich die Periodizitätslehre und die Arbeiten zur nasalen Reflexneurose, in den gemeinsamen Jahren entwickelt und publiziert hatte und auch Freud wesentliche Gedanken seines psychoanalytischen Lehrgebäudes veröffentlicht hatte, kam es Anfang des 20. Jahrhunderts zwischen den beiden zum nicht mehr ausgleichbaren Dissens: Sie differierten zunehmend in einem fundamentalen Punkt: Freud meinte, dass die Neurosenentwicklung psychische Ursachen habe, während Fließ "als Chirurg" an eine physikalische Basis glaubte. Beide postulierten eine "Verschiebung" von Erkrankungen oder auch sexueller Abartigkeit, aber bei Fließ war es keine Konfliktverdrängung im psychoanalytischen Sinne Freuds, sondern eine Konfliktverschiebung im anatomischen Sinne, nämlich z. B. vom Genitale zur Nase.
Die Verbindung von Nase und Genitale beschäftigte Ende des 19. Jahrhunderts auch andere Ärzte. Fließ baute diese Idee aus und vermutete, dass Nasenerkrankungen und -störungen Ursache einer Dysmenorrhoe, anderer abdominaler Schmerzen oder von Sexualstörungen sind. Fließ lokaliserte diese "Genital-Stellen" in den beiden unteren Nasenmuscheln und an beiden Seiten der Nasenscheidewand, den sog. Tubercula septi.
Einer seiner Berliner "Schüler" war der erste gynäkologische Chefarzt des Rudolf-Virchow-Krankenhauses, Alfred Koblanck, Autor des Buches "Nasogenitale Reflexneurosen und Frauenkrankheiten". Bei ihm findet sich eine Beschreibung der Nasentherapie: "Eine dünne geriffelte Sonde wird so mit Watte umwickelt, dass ein kleiner schmaler Pinsel geformt wird. Nach Befeuchten mit 20%iger Kokainlösung wird der Pinsel leicht auf die im Nasenspiegel gut sichtbar gemachte Schwellung aufgedrückt ... Es wird nun eine Doppelpunkturnadel in die Schwellung eingestochen und unter der Schleimhaut eine kleine Strecke fortgeführt. Dann wird der konstante Strom allmählich bis zu 6 bis 8, höchstens, 10 mA ein und nach etwa 5 bis 10 Minuten ... wieder allmählich ausgeschaltet".

Text: Matthias David

 

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© 2008  | Impressum | Letztes Update: 26.8.2010