Albrecht von Graefe - Sammlung
der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft am Berliner Medizinhistorischen Museum


 

Augenheilkunde in Berlin

Albrecht von Graefe



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Im Jahre 1886, sechzehn Jahre nach dem Tod Albrecht von Graefes (1828-1870), schlug sein Freund, der Physiologe und Augenarzt Frans Cornelis Donders, vor, die Briefe dieses bedeutenden Berliner Augenarztes zu sammeln. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings ein großer Teil des Graefe-Nachlasses bereits verkauft worden.

1887, auf der Sitzung der Ophthalmologischen  Gesellschaft, deren Gründer Albrecht von Graefe war, wurde die Errichtung eines „Graefe-Museums“ beschlossen. Die Öffentlichkeit wurde von dem Vorhaben informiert und innerhalb der Gemeinschaft der Augenärzte ein Aufruf gestartet. Standort der Sammlung war die Universitäts-Augenklinik Heidelberg, wo unter der ordnenden und registrierenden Hand der dortigen Professoren für Augenheilkunde, insbesondere Otto Beckers und seines Nachfolgers August Wagenmann, ein großer Holzschrank mehr und mehr mit Briefen, Manuskripten, klinischen Tagebüchern, Bildern, Büchern, Medaillen und Instrumenten von Albrecht von Graefe gefüllt wurde. In den 1930er Jahren fanden sich immer weniger Objekte ein. Wolfgang Jaeger, Kurator der Sammlung und Professor für Augenheilkunde in Heidelberg, engagierte sich noch einmal sehr für die Graefe-Sammlung. Es fand sich jedoch keine Möglichkeit, sie würdig zu präsentieren.

Im Jahre 2002 ist die Sammlung, die mittlerweile auf etwa 1050 Objekte, davon zu mehr als 90 Prozent Autographen und Bücher, angewachsen ist, als Dauerleihgabe der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft an das Berliner Medizinhistorische Museum gelangt. Hier soll sie konserviert, archiviert, digitalisiert und der wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglich gemacht werden. Eine neu geschaffene Abteilung in der Dauerausstellung des Museums stellt einige bedeutende Stücke der Öffentlichkeit vor.

Augenheilkunde in Berlin

Die Augenheilkunde war lange Zeit ein Anhängsel der Chirurgie. Als im 18. Jahrhundert eine Aufwertung des Chirurgen-Standes mit den universitär ausgebildeten Medizinern erfolgte, ging nach und nach auch die Behandlung der Augenkrankheiten in die Hände wissenschaftlich ausgebildeter Ärzte über. In Berlin boten zwischen 1800 und 1825 zehn approbierte Ärzte die Versorgung von Augenkranken an.

Im Jahre 1817 wurde erstmalig an der Berliner Charité durch den Divisions-Generalchirurgen Johann Nepomuk Rust (1775-1840) klinischer Unterricht in Augenheilkunde erteilt. Schon einige Jahre zuvor hatte es an dem vielleicht ältesten Privatinstitut für Augenkrankheiten in Berlin durch Friedrich Ferdinand Flemming (1778-1813) Vorlesungen auf diesem Gebiet gegeben.

Eine weitere ophthalmologische Lehrstätte fanden angehende Ärzte an der Universität Berlin. Seit ihrer Gründung 1810 wurde dort auch Augenheilkunde gelehrt, ohne dass die Disziplin als eigenständiges Fach Anerkennung erfuhr. Ihr „Clinisch-Chirurgisch-Augenärztliches Institut" lag seit 1820 in der Ziegelstraße. Dort gaben Persönlichkeiten wie Carl Ferdinand von Graefe (1787-1840) und Johann Friedrich Dieffenbach (1792-1847) augenärztlichen Unterricht.

Albrecht von Graefe, Sohn Carl Ferdinands, eröffnete 1852 an der Unterbaumbrücke seine private Augenklinik. Als Privatdozent hielt er dort Vorlesungen, leitete Operationskurse und klinisch-augenärztliche Übungen. Seine Klinik wurde mit 120 Betten zur größten privaten Augenklinik Berlins und lag 1865 im europäischen Vergleich mit der Zahl jährlicher Operationen an erster Stelle. Von 1868 bis zu seinem frühen Tod 1870 leitete Albrecht von Graefe die Augenklinik der Charité und unterrichtete auch dort die Augenheilkunde.

Der Ausstellungsteil legt einen Fokus auf die Zeit zwischen der Entwicklung des Augenspiegels durch Hermann von Helmholtz (1821-1884) im Jahre 1850 und 1870, dem Todesjahr Albrecht von Graefes.

Der Augenarzt Albrecht von Graefe (1828-1870)

Mit kaum 19 Jahren Doktor der Medizin, unternahm Albrecht von Graefe nach seinem Studium Fortbildungsreisen in die damaligen europäischen Zentren der Augenheilkunde: Wien, Paris, Prag und London. Er entschloss sich, Augenarzt zu werden und eröffnete 1851 seine erste Praxis in Berlin.

Albrecht von Graefe war ein begnadeter Operateur, und seine Erfolge für die damalige Zeit außerordentlich. Schon bald sprach sich sein guter Ruf bei Patienten und Ärzten herum. Ende der 1850er Jahre konsultierten etwa 50.000 Personen im Jahr seine Privatklinik. Stationär wurden etwa 1.500 Kranke behandelt. Zu seinen Vorlesungen erschienen Ärzte aus aller Welt.

Insbesondere durch die Erfindung des Augenspiegels 1850 nahm die Augenheilkunde eine sprunghafte Entwicklung. War die Diagnose mit dem neuen Wundergerät anfänglich noch beschwerlich, so brachten zunehmende Neuerungen an dem Augenspiegel neue Einblicke in die Krankheitsbilder des Auges. Albrecht von Graefe forcierte die Einführung des Augenspiegels in die Praxis. Ärzte mussten sich nun spezialisieren oder sie hinkten den fachlichen Neuerungen hinterher.

1853 gab von Graefe eine neue Methode der Schieloperation bekannt, 1854 folgte eine Arbeit über die bisher unbekannte Diphtherie der Bindehaut, 1857 führte er eine Operationsmethode ein, mit der erstmalig der Grüne Star (Glaukom) behandelt werden konnte, 1856 bereicherte er die Diagnostik und das Verständnis vieler Sehstörungen mit einer Arbeit über das Gesichtsfeld. Im Jahre 1866 verbesserte er die Operation des Grauen Stares durch die Einführung des linearen Starschnittes. Sein dafür angegebenes Starmesser wurde noch 100 Jahre später benutzt.

Albrecht von Graefe suchte den Austausch mit Fachkollegen und engagierte sich für die Gründung von Fachgruppen. Von Graefe begründete die „Ophthalmologische Gesellschaft“. Unter dem Einfluss seiner Person entwickelte sich die Augenheilkunde in Berlin allmählich zu einer eigenständigen Disziplin.



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