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| Röntgenportrait |
| 19. Juni bis 31. Juli 2005 | |
Die Fotos zeigen die Ausstellung im Berliner Medizinhistorischen Museum
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Die im Festspielhaus Dresden Hellerau gefundenen Röntgenaufnahmen sind der Ausgangspunkt der Installation Röntgenportrait und mit dem Schicksal dieses Ortes untrennbar verbunden:
![]() Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte die 1911 in der Gartenstadt Hellerau als Tanz- und Rhythmikschule erbaute Anlage zu den europäischen Zentren der Avantgarde. Ihren Gründern, dem Mäzen Wolf Dohrn, dem Schweizer Musikpädagogen Emile Jaques-Dalcroze, dem Bühnenbildner Adolphe Appia, und dem Architekten Heinrich Tessenow, ging es im Sinne eines sozialreformerischen Ansatzes darum, einen Ort für den "neuen, freien Menschen" zu schaffen. Die hier vermittelte Lehre hatte Einfluss auf die Entwicklung des Tanzes im 20. Jahrhundert, die Inszenierungen im großen Saal, und die damit aufgehobene Barriere zwischen Bühne und Publikum waren Vorbild für die Entwicklung des Theaters. Höhepunkte dieser nur sehr kurz währenden Glanzzeit waren die jährlichen Schulfeste zwischen 1911 und 1914. Menschen aus ganz Europa kamen zu Max Reinhardts Aufführung von "Orpheus und Eurydike". Auch Le Corbusier und Franz Kafka, Oskar Kokoschka, Emil Nolde und Hans Poelzig, Rachmaninow und Rainer-Maria Rilke zählten zu den Gästen in Hellerau. Ab 1938 geriet die Anlage unter militärische Verwaltung; auf die Reichspolizei folgten SA, SS und schließlich die Sowjetarmee. Nur wenig drang in diesen Jahren durch die dicken, mit grauen Farbschichten überzogenen Betonmauern, die das Gelände umschlossen.![]() Im Zuge der Bausicherungsarbeiten auf einem Dachboden fanden die neuen Hausherren eine Holzkiste. Miteinander verklebte und von Bakterien zerfressene schwarze Folien kamen zum Vorschein. Arme, Köpfe und Beine, Kniegelenke, Zehenknöchel, Halswirbelsäulen und Brustkörbe waren darauf zu sehen. Bei näherer Betrachtung stellte sich der Fund als Rest eines größeren Archivs heraus, er umfasste etwa 150 Aufnahmen von Körperteilen, hauptsächlich Kopf- und Handaufnahmen, die in russischer Sprache beschriftet und in die 1980er Jahre datiert waren. ![]() Zufällig gelangten die schwarzen Folien, die beinahe als Sondermüll entsorgt worden
wären, ins künstlerische Archiv, von dort ins Labor und auf den Bildschirm. Die
Umstände ihrer Entstehung und die miserablen Lagerungsbedingungen hatten den
Ausdruck der Aufnahmen ganz entscheidend beeinflusst. Außergewöhnlich erschienen
die Kopf- und Handaufnahmen, insbesondere die Stellung der Köpfe im Bild:
Geöffnete Münder und nach oben oder unten geneigte Kopfhaltungen sind zu erkennen. ![]() Die Arbeit mit den Bildern war von Beginn an geprägt von der Suche nach Antworten. Nicht was gewesen ist, sollte Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung sein, sondern dass etwas gewesen ist. Daher der Anstoß für das Buch Röntgenportrait, in dem die Befragung des Machens von Sichtbarkeit überhaupt - ein dem Röntgen eigenes Moment, Thema ist. Autoren unterschiedlicher Disziplinen, die Röntgenaufnahmen zum Anlass eigener Untersuchungen nehmen, diskutieren in ihren Beiträgen Aspekte zu Bildtechnologien und Sichtbarkeitspostulaten sowie den Begriff des Sehens an sich. |
| mehr Informationen unter www.roentgenportrait.de |